Jeanette Karpeles
Jeanette Karpeles kam am 23. Oktober 1873 als erstes Kind des Kaufmanns Joseph Karpeles (06.09.1845–25.02.1898) und seiner Ehefrau Jeanette (26.03.1850–31.10.1873), geborene Gosser, in Bayreuth zur Welt.
Wenige Tage nach Jeanettes Geburt starb ihre Mutter im Alter von 23 Jahren an einer Gebärmutterentzündung. Der verwitwete Vater heiratete 1875 die Kaufmannstochter Johanna Hamburger aus Floß, die zweijährige Jeanette erhielt somit eine Stiefmutter. Ein Jahr später, am 10. Oktober 1876, wurde ihr Stiefbruder Sigmund geboren. Ihr Vater verstarb 1898 im Alter von 52 Jahren. Im Jahr 1900 verkaufte die Stiefmutter das Haus Ludwigstraße 10, vermutlich lebte die Familie vorerst vom Verkaufserlös. Jeanette hatte in Bayreuth die Volksschule und die Höhere Töchterschule besucht, danach aber keinen Beruf erlernt. In den Adressbucheinträgen erscheint sie als Privatière. Ihr Stiefbruder Sigmund studierte in München Medizin und ließ sich zuerst in Fürth als Arzt nieder, 1908 zog er dann nach Stuttgart.
Jeanette Karpeles lebte in einer Mietswohnung in Bayreuth, vermutlich zusammen mit ihrer Stiefmutter Johanna. Diese verstarb 1912 nach längerer Krankheit. Jeanette blieb weiterhin in der Wohnung, Besitzer des Hauses war wohl ein Verwandter ihrer Stiefmutter. Einer Häuserliste von 1938 zufolge wohnte Jeanette Karpeles in der Schiller-Straße 16, auch während der „Reichspogromnacht“ am 9./10. November 1938. Dabei wurde ihre Wohnung – wie die der anderen jüdischen Hausbewohner – verwüstet, wie eine Nachbarin später berichtete: „Diese Familien, es waren Karpeles und Wannbacher, hatten nicht einmal mehr eine Tasse, nicht einmal Teller, keine Waschschüssel mehr zum waschen. Es war kein Schrank, kein Stuhl mehr ganz, wo nicht Verbrecherhände ihr Werk getan haben“. Möglicherweise aufgrund dieser Zerstörungen zog sie dann innerhalb von Bayreuth um. Die neue Wohnmöglichkeit gehörte ebenfalls einem jüdischen Kaufmann.
Da der Bayreuther Bezirksrabbiner Dr. Falk Felix Salomon 1936 das Bezirksrabbinat Neumarkt-Regensburg mit übernahm und ab April 1936 seinen Dienstsitz in Regensburg (in der Weißenburgstraße 31) hatte, könnte die anschließende Übersiedlung Jeanettes von Bayreuth nach Regensburg durch Rabbiner Salomon vermittelt worden sein.
Ab 23. November 1939 lebte Jeanette Karpeles im jüdischen Altersheim in Regensburg. Von dort aus wurde sie am 23. September 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert und am 22. Januar 1943 ermordet. Laut der Todesfallanzeige von Theresienstadt wurde als Todesursache „Darmkatarrh und totale Krafterschöpfung“ angegeben – ein üblicher Vermerk, um die tatsächlichen Todesumstände zu verschleiern.
Jeanettes Stiefbruder Sigmund Karpeles wurde in das KZ Auschwitz deportiert und ebenfalls für tot erklärt.
Quellen:
– Geburtsregister der jüdischen Gemeinde Bayreuth
– Adressbücher Bayreuth 1920, 1924, 1927, 1930, 1934, 1937
– Stadtarchiv Bayreuth, Akte Nr. 1008
– Juden in Bayreuth 1933–2003. Verfolgung, Vertreibung – und das Danach, hrsg. für die Neue Bayreuther Geschichtswerkstatt von Norbert Aas. 2., überarb. Aufl., Bayreuth 2007, S. 62 f.
– Transport II/26 von Nürnberg am 24.09.1942 nach Theresienstadt
– Todesfallanzeige Theresienstadt
– Gedenkbuch Deutschland
– Stadtarchiv Regensburg