Michael Trinkl
Michael Trinkl, geboren 1920, wurde im Jahr 1940 in die Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll eingewiesen und am 19. November 1940 nach Hartheim „verlegt“. Am gleichen Tag wurde er dort im Rahmen der Aktion T4 ermordet.
Michael Trinkl, geboren 1920, wurde im Jahr 1940 in die Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll eingewiesen und am 19. November 1940 nach Hartheim „verlegt“. Am gleichen Tag wurde er dort im Rahmen der Aktion T4 ermordet.
Johann Dratzl wurde am 9. Juli 1885 in Regensburg geboren. Seine Eltern waren Eustachius und Helene Dratzl, die Familie bekannte sich zum katholischen Glauben. Von 1915 bis 1918 diente Johann Dratzl im Militär, danach war er teils auf Reisen, teils als Taglöhner, Möbeltransporteur oder Schieferdecker tätig. Zwar wechselte er ab 1910 seinen Wohnort mehrmals nach „unbekannt“ sowie zwischen Steinweg, Stadtamhof und Regensburg, als letzte Adresse ist in den Adressbüchern der Stadt Regensburg der Hunnenplatz 4 angegeben.
Mehrmals kam er mit dem Gesetz in Konflikt. Am 21. April 1937 wurde Johann Dratzl erneut verhaftet und verbüßte eine Gefängnisstrafe in Rebdorf, einem ehemaligen Kloster nahe Eichstätt, das zwischen 1923 und 1945 als Gefängnis diente. 1939 meldete er sich wieder in Regensburg an.
Am 11. Oktober 1940 kam Johann Dratzl in das KZ Dachau und erhielt die Häftlingsnummer 20480. Das offizielle Todesdatum ist im Stadtarchiv Regensburg mit „8. März 1942 in Dachau“ angegeben, laut Sterbeurkunde in den Arolsen Archives aufgrund von „Versagen von Herz und Kreislauf bei Darmkatarrh“. Das tatsächliche Datum der Ermordung von Johann Dratzl war jedoch bereits der 19. Januar 1942 in der NS-Tötungsanstalt Hartheim bei Linz durch Giftgas. Es handelte sich um den ersten Transportschub, „Invalidentransport“ oder „Häftlings-Euthanasie“ genannt, aus dem KZ Dachau nach Hartheim bei Linz.
„Herr Dratzel wurde als nicht mehr arbeitsfähig selektiert und zusammen mit 100 anderen Häftlingen am 19.01.1942 in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim gebracht und dort kurz nach dem Eintreffen vergast und verbrannt (das ist die Aktion 14f13). Zur Verschleierung der Morde wurde in der offiziellen, vom Lagerstandesamt ausgegebenen Sterbeurkunde ein gefälschtes Datum angegeben“, so die KZ-Gedenkstätte Dachau.
Mathilde Schwarz wurde am 13. April 1869 in Thalmässig im mittelfränkischen Landkreis Roth geboren. Ihr Vater Herrmann Schwarz war Kaufmann, ihre Mutter hieß Fanny Schwarz. Mathilde Neuhaus heiratete am 4. März 1996 in Frankfurt Isidor Neuhaus, geboren am 1. Februar 1861 in Salzburg. Sie lebten in Frankfurt, Kinder hatten sie keine. Ihr Ehemann starb am 22. Februar 1918 in Frankfurt. Als Witwe zog Mathilde Neuhaus 1920 zu Verwandten nach Regensburg. Sie wohnte zunächst in der Ludwigstraße und zog dann in die Landshuter Straße zu ihrer Schwester Henriette (Jette) Benario, die ebenfalls Witwe war. Die Ausgrenzung und Isolierung jüdischer Mitbürger wurde auch in Regensburg seit 1933 rigoros umgesetzt. Schon im März 1933 wurden 107 Regensburger in Konzentrationslager geschickt. Ärzten und Anwälten wurden die Zulassung entzogen, es folgten seit 1934 strikte Berufsverbote. Kaufleute wurden etwa 1934 gewarnt, sich auf städtischen Märkte blicken zulassen, als einige es dennoch versuchten, wurden sie überfallen und beraubt. Kaufhäuser und Geschäfte wurden in der „Reichskristallnacht“ 1938 in Regensburg geplündert. Mit der Umstellung auf die „Kriegswirtschaft“ wurden Juden ab 1. Dezember 1939 zunächst Lebensmittelsonderzuteilungen gestrichen, dann folgten Verbote für viele Lebensmittel des täglichen Lebens wie Milch, Fleisch, Geflügel, Bohnen, Reis usw. sowie für Bekleidung. Ab Juni 1940 durften jüdische Mitbürger nur in zwei Geschäften in der Dechbettnerstraße und der Von-Stausstraße während einer Stunde in der Mittagszeit einkaufen, wenn die anderen Geschäfte geschlossen hatten. Mathilde Neuhaus war zu dieser Zeit 71 Jahre alt und muss unter dem Nahrungsmittelentzug gelitten haben. Wir wissen das wegen des aufrechten Regensburger Ehepaars Bleyer. Der katholische Schuhmachermeister Johann Bleyer und seine Frau Therese wurden nämlich wegen „Judenbegünstigung“ verhaftet und verwarnt. Sie hatten am Stärzenbach israelitische Kunden mit kleinen Lebensmittelhilfen unterstützt, nämlich Mathilde Neuhaus, Lina Fromm, Max Sondhelm und Hermine Kladivko. Am 23. September 1942 wurde Mathilde Neuhaus im Alter von 73 Jahren nach Theresienstadt deportiert. Sie starb am 26. Januar 1943.
Am 14. Juni 1885 wurde Selmar Nattenheimer als erstes Kind in Fürth geboren. Selmar Nattenheimer entstammt einer angesehenen Kaufmannsfamilie. Sein Vater Jacob Nattenheimer wurde in Thalmessing in Mittelfanken am 26. Mai 1840 geboren. Er heiratete 1879 Mina Bayersdorfer in Nürnberg. Sie war am 20 Oktober 1855 in Schnaittach geboren worden. Das Ehepaar lebt zunächst in Fürth und zog dann nach Regensburg.
Selmar hatte zwei Geschwistern, seine am 27. September 1883 geborene Schwester Jenny und sein Bruder Heinrich, geboren am 27. März 1881. Nach dem Umzug nach Regensburg wurde am 19. Oktober 1899 das Heimatrecht in Regensburg gegen Zahlung von 40 Mark erworben, eine Woche später am 26.Oktobern 1899 das Bürgerrecht. Selmar Nettenheimer wohnte in der Landshuter Straße. Sein Vater starb 1908 in Regensburg, seine Mutter 1927. Selmar Nattenheimer wurde Kaufmann, er war zunächst bis 1930 in Fürth tätig, danach in Regensburg. Unter den 53 namentlich bekannten Regensburger Israeliten, die am Ersten Weltkrieg teilnahmen, wird Selmar Nattenheimer nicht genannt. Ob er Soldat war, wissen wir nicht. Am 23. September 1942 wurde Selmar Nattenheimer nach Theresienstadt deportiert. Er starb 1944 in Auschwitz.
Emma Lehmann, Witwe des 1915 verstorbenen Weinhändlers Carl Lehmann, wurde im Alter von 81 Jahren deportiert. Sie wird in der Liste der 1942 ins KZ Theresienstadt Deportierten als Stammmutter der Familien Lehmann und Kahn in der Spiegelgasse und der Ludwigstraße bezeichnet. Eines ihrer vier Kinder war Dr. Lorenz Lehmann, der im 1. Weltkrieg als Militäroberarzt fiel.
1903 wird das Wein- und Spirituosengeschäft von Carl Lehmann unter 64 Geschäften von Regensburger Bürgern israelitischer Konfession im Regensburger Adressbuch aufgeführt. Carl Lehmann stirbt 1915. Später wird die Wein- und Spirituosenhandlung von Heinrich Kahn übernommen, der mit seiner Frau Maria 1939 nach Palästina auswandert.
In der Zeitung der Nationalsozialisten „Bayerische Ostmark“ wird das Geschäft 1938 zusammen mit 58 noch bestehenden als „Judenkolonie“ bezeichnet und den Besitzern empfohlen „abzuhauen“. In der Pogromnacht am 9. November 1938 wird auch dieses Geschäft demoliert.
Das Haus wird von Frau Emma Lehmann an das Ehepaar Melzl verkauft.
Karl Heller wurde am 23. Juni 1911 in Pfarrkirchen als Sohn von Karolina Heller (geboren am 11. August 1888 in Heffenheim als Karolina Rosenfeld) und dem Briefmarkenhändler Isidor Heller (geboren am 23. April 1878 in Kirchenlaibach) geboren. Karls Bruder Ludwig konnte nach Israel auswandern und überlebte den Zweiten Weltkrieg. Der Praktikant Karl hingegen wurde am 2. April 1942 zusammen mit seinen Eltern nach Piaski/Polen deportiert und in Vernichtungslagern umgebracht.
Zur Verlegung der Stolpersteine für die Familie kam auch die Enkelin Dalia Blumenthal in Begleitung aus München, die persönliche Worte an die Ermordeten richtete:
Liebe Großeltern, lieber Karl,
Endlich, nach langen 65 Jahren gibt es für Euch ab heute eine winzige Erinnerung in Form eines Stolpersteines. Jeder, der an eurem Haus vorbeigeht, soll wissen, dass es einmal euer Haus war, in dem ihr glücklich wart bis zu dem Tage, an dem ihr nach Piaski deportiert wurdet. Eigentlich wolltet ihr Deutschland nie verlassen, es war eure Heimat, euer Zuhause, und doch der 2. April 1942 beendete alles, euer Leben und was ihr einmal geschaffen hattet.
Karl, du hattest schon alle Formalitäten erledigt, du und die Großeltern wollten zu Ludwig, deinem Bruder, nach Israel. Doch es war zu spät. Ich weiß, dass du nach Stuttgart solltest und von da aus weiter nach Israel, doch hier reißt die Verbindung ab, und ich weiß nicht, wo ich eure Spuren noch verfolgen könnte. Warum konntet ihr Euch nicht retten?
1955 kam ich mit meinen Eltern und meiner Schwester Ruthi hierher. Unsere Wurzeln ließen sich nicht verleugnen. Wir bezogen den ersten Stock dieses Hauses, das einmal meinen Großeltern gehört hatte und ich kann mich noch gut an den Vorgarten erinnern, der voller wunderschöner Rosen war.
Heute legen wir drei Schwestern Euch zu Ehren und zu Eurem Gedenken Rosen vor Eurem Haus nieder und denken an Euch. Ihr seid nicht vergessen.
Karolina Heller wurde am 11. August 1888 in Heffenheim als Karolina Rosenfeld geboren. Sie war verheiratet mit Isidor Heller, einem Briefmarkenhändler. Das Ehepaar hatte die zwei Söhne Ludwig und Karl. Ludwig konnte nach Israel auswandern und überlebte. Karolina Heller wurden am 2. April 1942 zusammen mit ihrem Mann und ihrem zweiten Sohn Karl nach Piaski/Polen deportiert und in Vernichtungslagern umgebracht.
Zur Verlegung der Stolpersteine für die Familie kam auch die Enkelin Dalia Blumenthal in Begleitung aus München, die persönliche Worte an die Ermordeten richtete:
Liebe Großeltern, lieber Karl,
Endlich, nach langen 65 Jahren gibt es für Euch ab heute eine winzige Erinnerung in Form eines Stolpersteines. Jeder, der an eurem Haus vorbeigeht, soll wissen, dass es einmal euer Haus war, in dem ihr glücklich wart bis zu dem Tage, an dem ihr nach Piaski deportiert wurdet. Eigentlich wolltet ihr Deutschland nie verlassen, es war eure Heimat, euer Zuhause, und doch der 2. April 1942 beendete alles, euer Leben und was ihr einmal geschaffen hattet.
Karl, du hattest schon alle Formalitäten erledigt, du und die Großeltern wollten zu Ludwig, deinem Bruder, nach Israel. Doch es war zu spät. Ich weiß, dass du nach Stuttgart solltest und von da aus weiter nach Israel, doch hier reißt die Verbindung ab, und ich weiß nicht, wo ich eure Spuren noch verfolgen könnte. Warum konntet ihr Euch nicht retten?
1955 kam ich mit meinen Eltern und meiner Schwester Ruthi hierher. Unsere Wurzeln ließen sich nicht verleugnen. Wir bezogen den ersten Stock dieses Hauses, das einmal meinen Großeltern gehört hatte und ich kann mich noch gut an den Vorgarten erinnern, der voller wunderschöner Rosen war.
Heute legen wir drei Schwestern Euch zu Ehren und zu Eurem Gedenken Rosen vor Eurem Haus nieder und denken an Euch. Ihr seid nicht vergessen.
Isidor Heller wurde am 23. April 1878 in Kirchenlaibach geboren. Er arbeitete als Briefmarkenhändler und war mit Karolina Heller verheiratet. Sie hatten zwei Söhne. Ludwig überlebte in Israel, Karl wurde mit seinen Eltern am 2. April 1942 nach Piaski/Polen deportiert und in Vernichtungslagern umgebracht.
Zur Verlegung der Stolpersteine für die Familie kam auch die Enkelin Dalia Blumenthal in Begleitung aus München, die persönliche Worte an die Ermordeten richtete:
Liebe Großeltern, lieber Karl,
Endlich, nach langen 65 Jahren gibt es für Euch ab heute eine winzige Erinnerung in Form eines Stolpersteines. Jeder, der an eurem Haus vorbeigeht, soll wissen, dass es einmal euer Haus war, in dem ihr glücklich wart bis zu dem Tage, an dem ihr nach Piaski deportiert wurdet. Eigentlich wolltet ihr Deutschland nie verlassen, es war eure Heimat, euer Zuhause, und doch der 2. April 1942 beendete alles, euer Leben und was ihr einmal geschaffen hattet.
Karl, du hattest schon alle Formalitäten erledigt, du und die Großeltern wollten zu Ludwig, deinem Bruder, nach Israel. Doch es war zu spät. Ich weiß, dass du nach Stuttgart solltest und von da aus weiter nach Israel, doch hier reißt die Verbindung ab, und ich weiß nicht, wo ich eure Spuren noch verfolgen könnte. Warum konntet ihr Euch nicht retten?
1955 kam ich mit meinen Eltern und meiner Schwester Ruthi hierher. Unsere Wurzeln ließen sich nicht verleugnen. Wir bezogen den ersten Stock dieses Hauses, das einmal meinen Großeltern gehört hatte und ich kann mich noch gut an den Vorgarten erinnern, der voller wunderschöner Rosen war.
Heute legen wir drei Schwestern Euch zu Ehren und zu Eurem Gedenken Rosen vor Eurem Haus nieder und denken an Euch. Ihr seid nicht vergessen.
Alice Heiß wurde am 15. Mai 1899 als Alice Heidecker geboren. Sie starb am 3. Januar 1944 im Konzentrationslager Auschwitz.
Alice Heidecker blieb ein Einzelkind und wuchs im neuerrichteten repräsentativen Haus ihrer Eltern Dr. David (geb. 1868 in Thalmässing) und Meta (geb. 1877) Heidecker am Neupfarrplatz 12 auf. Sie wurden 1898 in Nürnberg verheiratet. Ihrem Vater wurde gegen eine Gebühr von 170 Mark im Jahr 1905 das Bürgerrecht in Regensburg verliehen. Er war nicht nur als Rechtsanwalt und Justizrat ein angesehener Bürger, sondern bekleidete als liberaler Jude bis 1920 auch das Amt des Vorstands der Jüdischen Gemeinde.
Zur Einweihung der neu errichteten Synagoge am Brixener Hof am 29. August 1912 erschien der Bürgermeister Dr. Geßler mit dem Magistrat der Stadt um 11 Uhr im Beisein von Vertretern des Offizierscorps und der beiden christlichen Kirchen. Nach der Ansprache des Vorstands Dr. Heidecker im Hof vor der Synagoge übergab die 13-jährige Alice dem Bürgermeister die Schlüssel zum Gotteshaus. Dr. Geßler versprach, dass die Stadt Regensburg die Synagoge schützen werde.
1921 verstarb Meta Heidecker, der Vater bezog eine Wohnung in der Luitpoldstraße 19 und verlegte die Kanzlei in die Pfauengasse 10.
1922 beantragte Alice einen Reisepass bei der Stadtverwaltung. Am 12. August 1927 ehelichte sie den zwei Jahre älteren, katholischen Rechtsanwalt Alfons Heiß gegen den Willen ihres Vaters. Das junge Paar bezog ein Haus westlich der Altstadt, Hans-Huber- Straße 5. Zwei Jahre später, im Juli 1929, wurde ihre Tochter Helene Meta geboren. Zu diesem Zeitpunkt versöhnte sich David Heidecker mit seiner Tochter und schenkte dem Schwiegersohn einen prächtigen Steinway-Flügel. Doch bereits im darauffolgenden Jahr 1930 verstarb er und Alice trat aus der Jüdischen Gemeinde aus. 1934 konvertierte sie zum katholischen Glauben und nahm den Namen Elisabeth an.
Alfons Heiß war seit vielen Jahren mit dem gleichaltrigen Prokuristen Fritz Bräu befreundet. Dieser wohnte bis 1936 mit seiner Frau in der Richard Wagner-Straße, wo sich die beiden Ehepaare regelmäßig trafen.
Ein weiterer Freund mit Namen Wilhelm Herrmann (geb. 1885) gesellte sich zu ihnen. Die Männer hörten regelmäßig ausländische Radiosender, vor allem BBC London. Obwohl unterschiedlicher politischer Gesinnung – Alfons Heiß stand der BVP, Wilhelm Herrmann dem Marxismus nahe – verband sie die wachsende Abneigung der Politik der NSDAP. Fritz Bräu war Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg gewesen, wurde mit 18 Jahren schwer verwundet. Er lehnte das Gewalt- und Unrechtssystem der nationalsozialistischen Diktatur vehement ab, insbesondere die Aufhebung der bürgerlichen Rechte der jüdischen Bevölkerung.
Im September 1943 wurden zuerst Wilhelm Herrmann, kurz darauf die beiden Ehepaare Bräu und Heiß verhaftet. Alice Heiß wurde am 28. September 1943 in das Landgerichtsgefängnis Regensburg eingeliefert. Den Vorwurf des Abhörens ausländischer Radiosender konnten weder Fritz Bräu noch Alfons Heiß abstreiten, dennoch versuchte Fritz Bräu, die beiden Frauen als Unbeteiligte darzustellen, um ihre Verhaftung wieder rückgängig zu machen.
Nichtsdestotrotz wurde Alice Heiß aufgrund ihrer jüdischen Abstammung weiterhin in der Augustenburg, dem Regensburger Gefängnis, inhaftiert. Am Tag nach ihrer Verhaftung plünderte die Gestapo das Haus in der Hans-Huber-Straße 5, wertvolle Bücher und Schallplatten sowie das Radiogerät wurden beschlagnahmt. Ihre Tochter Helene musste das Haus verlassen und wurde ebenfalls mehrmals verhört.
Zwei Wochen später verlor Alfons Heiß seine Zulassung als Rechtsanwalt und wurde aus der RA-Liste des Amtsgerichts und des Landgerichts Regensburg gestrichen.
Das Urteil gegen ihn und seinen Freund Fritz Bräu wurde am 3. Dezember 1943 verkündet, das Verfahren gegen Wilhelm Herrmann abgetrennt und an das OLG München verwiesen. Dort wurde sein Fall bis zum Kriegsende nicht mehr verhandelt.
Alfons Heiß wurde zu eineinhalb Jahren, Fritz Bräu zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Zwei Monate Untersuchungshaft wurden angerechnet. Im Dezember 1943 wurden sie in das Zuchthaus Amberg verlegt, wo Alfons seine gesamte Haftstrafe verbüßte.
Seine Ehefrau Alice, ebenfalls inhaftiert in der Augustenburg, wurde ohne Urteil am 25. November 1943 in das KZ Auschwitz verlegt. In den sieben Wochen des Wartens und Hoffens konnte sie kleine Briefe an ihren Gatten schreiben, die die couragierte Gefängisaufseherin Friederike Menauer
weiterleitete. Es gelang ihr sogar, Nachrichten an Angehörige außerhalb der Gefängnismauern zu überbringen.
In einem Brief vom 3. November 1943 schrieb Alice u.a. folgendes an ihren Mann: „Ich arbeite in der Nähzelle, flicke Wäsche oder stricke für die Beamten.“ Sie sprach ihre Sorge um ihre Tochter an und ihre tiefe Verbundenheit zu ihrem Mann.
Alfons Heiß versuchte, sich für die Freilassung seiner Frau einzusetzen, die ja nicht wegen eines Vergehens, sondern aufgrund ihrer Abstammung inhaftiert sei, wie er in einem Brief an seine Tochter formulierte. Doch seine Bemühungen blieben erfolglos.
Am 25. November 1943 wurde Alice Heiß als „Einzeltransport“ im Zug in das KZ Auschwitz verlegt. Dem Regensburger Gefängnisgeistlichen gab sie beim Abschied ihren Rosenkranz mit der Bitte, diesen an ihre Tochter auszuhändigen.
Laut Sterbeurkunde verstarb sie am 3. Januar 1944 im KZ Auschwitz.
Quellen: Stadtarchiv Regensburg, W. Kick, S.Wittmer
Moritz Heilbronner wurde im Jahr 1861 in Ederheim geboren. Er lebte später in Memmingen und musste am 13. April 1942 in die Weißenburgstraße 31, das jüdische Altenheim, ziehen, das zu dieser Zeit als Sammelunterkunft für die jüdischen Deportationsopfer diente.
Am 23. September 1942 wurde er mit dem dritten „Transport“ nach Theresienstadt geschickt und am 30. September 1942 dort ermordet.