Flora Grünhut
Flora Grünhut kam am 14. Februar 1867 in Wien zu Welt. Dort war ihr Vater Heinrich Grünhut, geboren 1827, als Fabrikant erfolgreich tätig gewesen. Regensburg aber wurde dessen Alterssitz. Heinrich Grünhut und seine zehn Jahre jüngere Frau Franziska, genannt Fanny, wurden als „Privatiere“ geführt, das heißt sie lebten von den Rücklagen, die Heinrich in Wien erarbeitet hatte. Zwei ihrer drei Kinder begleiteten sie nach Regensburg: Flora, damals 33 Jahre alt, und ihr jüngerer Bruder Rudolf, 29 Jahre alt. Ihr Bruder Emil, 30 Jahre, blieb in Wien zurück, wo er bereits in Stellung war.
Flora Grünhut war bis 1938 österreichische Staatsbürgerin. Auch sie wird regelmäßig als „Privatiere“ oder als „Privat“ geführt; das änderte sich auch nicht, nachdem der Vater am 18. Januar 1899 gestorben war. Lebte die Familie in Regensburg zunächst im Weißgerbergraben, folgten zahlreiche Wohnungswechsel, bis schließlich die Dreihelmgasse 2 für längere Zeit Aufenthalt bot, ebenso für ihren Bruder Rudolf und seine wachsende Familie mit den vier Kindern Heinrich, Hugo, Albert und Irma. Hier blieb Flora Grünhut auch nach dem Tod ihrer Mutter wohnen. Inwieweit Rudolf zum Unterhalt der Mutter und dann der Schwester beitrug, lässt sich nicht erfahren. Nachdem Rudolf (1930) und seine Frau Ida (1937) verstorben sowie deren vier Kinder ausgewandert waren, zog Flora Grünhut am 1. August 1938 in die Straubinger Straße 12, damals von-Stauß-Straße 16, wo zu diesem Zeitpunkt auch der pensionierte Prokurist Alois Natzler und seine Tochter Ilka, eine Bankbeamtin, lebten. Wahrscheinlich verband sie eine Freundschaft, denn andere jüdische Bewohner gab es in diesem Haus nicht. Flora Grünhut war damals 70 Jahre alt und lebte weiterhin von ihren Ersparnissen. Doch schon rund ein Jahr später, im November 1939, wurde sie gezwungen, in das Altenheim in der Weißenburgstraße 31 zu ziehen, von wo aus man sie am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportierte.
Wenig später, am 12. Januar 1943, verlor sie dort ihr Leben, knapp 86 Jahre alt. Als Todesursache wurde, wie dort häufig, „Marasmus – Altersschwäche“ angegeben. Sie hatte offensichtlich die bevorstehende Deportation erahnt, denn im Juli 1942 schrieb sie über die „Agence Centrale des Prisonniers de Guerre“ an ihr Nichte Irma Grünhut, der Tochter ihres Bruders Rudolf, in England: „… Tante Sofie [gemeint ist Sofie Bloch] erlöst, sage (es) Ida, Hilde, Albert. Vielleicht reise auch ich bald, wohin? Lebt wohl, seid alle glücklich. Tausend Grüße.“
Quellen:
– StA Regensburg: Familienbogen Heinrich Grünhut
– StA Regensburg: Meldekarte Flora Grünhut
– StA Regensburg: Familienbogen Rudolf Grünhut
– StA Regensburg: Meldekarte Rudolf Grünhut
– Adressbuch der Stadt Regensburg 1890 passim
– Todesfallanzeigen cz: Grünhut, Flora
– Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945
– Siegfried Wittmer: Regensburger Juden. Jüdisches Leben von 1519 bis 1990. 2. Aufl. Regensburg 2002 (= Regensburger Studien und Quellen zur Kulturgeschichte, Bd. 6).