Franz Enderlein
Franz Enderlein kam am 12. Juni 1899 in Regensburg zur Welt. Seine Eltern waren Maria Enderlein, geborene Achleitner, und August Enderlein; beide waren Angestellte der Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft. Gemeinsam hatten sie vier Kinder, Franz hatte demnach zwei ältere Brüder sowie eine jüngere Schwester namens Anna.
Er stammte aus einfachen Verhältnissen. Aufgrund der beruflichen Verpflichtungen seiner Eltern kam er ins Waisenhaus in der Ostengasse. Dort fiel auf, dass er begabt war, weshalb er das Gymnasium besuchen durfte. Allerdings brach Franz die Schule ab, begann in Kelheim eine Ausbildung zum Gärtner und schloss diese mit der Gesellenprüfung ab. Seine Berufsbezeichnung war fortan „Hilfsarbeiter“.
1916 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst. Eine Verletzung, die er bei einem Giftgasangriff erlitt, sollte ihm bis an sein Lebensende Probleme bereiten. Nach dem Krieg konnte er beruflich nicht wirklich Fuß fassen: Er arbeitet als Matrose oder auf dem Bau, jedoch war ihm auch die Arbeitslosigkeit vertraut. In dieser Zeit fand er seine politische Heimat in der Gewerkschaft, so war er 1920 bei der Gründung der Regensburger Ortsgruppe der Kommunistischen Partei dabei.
1925 ehelichte Franz Enderlein die Fabrikarbeiterin Maria Reisinger und sie wurden Eltern eines Sohnes. Maria starb am 10. Januar 1929. Neun Jahre später heiratete Franz eine zweites Mal. Aus dieser Ehe mit Karolina Schrobenloher gingen vier Kinder hervor.
Als Kommunist und Demokrat war Franz von Beginn an gegen den Nationalsozialismus. Bereits 1933 wurden die ersten Regensburger in „Schutzhaft“ genommen – auch sein Bruder Fritz. 1936 wurden Franz und seiner Schwester Anna die Vorbereitung zum Hochverrat vorgeworfen, es kam zu einem Prozess vor dem Oberlandesgericht München – wegen Abhörens von Radio Moskau. (Verboten war dies eigentlich erst ab dem 1. September 1939.) Am 1. September 1936 wurden sie freigesprochen, dies war allerdings nichts mehr wert, denn rechtsstaatliche Prinzipien galten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Einen Tag später wurde Franz in das KZ Dachau eingeliefert. Man entließ ihn nach etwa einem Jahr.
1938 wurde Franz Enderlein zur Wehrmacht eingezogen, 1943 aber als „politisch Unzuverlässiger“ ins Strafbataillon 999 nach Russland überstellt. Später verlegte man ihn nach Griechenland. Zitat aus der Eidesstattlichen Erklärung, die Urs Friedrich, ein Reichsbahnsekretär, abgelegte: „Ich erkläre an Eidesstatt, dass Franz Enderlein, laut seinen eigenen Aussagen mit mir im Gespräch, bei den 999er/Einheit für politische Unzuverlässige war. Wir befanden uns gemeinsam in Jugoslawien in Kriegsgefangenschaft, in Belgrad im Donaulager 1. Aufgrund seiner politischen Einstellung und KZ-Haft wurde Franz Enderlein vom Antifaschistischen deutschen Kontrollausschuss für Kriegsgefangene in Belgrad als einer der ersten Gefangenen zur Repatriierung in die Heimat vorgesehen, die auch im Monat Februar 1946 erfolgte.“
Enderlein sah seine Heimatstadt Regensburg jedoch nicht mehr. Er verstarb auf dem Weg nach Hause am 15. März 1946 in Seefeld/Tirol. Dort wurde er auch begraben.
Wilhelm Kick schreibt in seinem Buch „Sag es unseren Kindern“ über Franz Enderlein: „Mit ihm erscheint einer aus dem mehr oder weniger anonymen Volk, kein Abgeordneter, kein Berufspolitiker, keiner, der irgendwie sich in der Öffentlichkeit bemerkbar gemacht hätte. Er war einer, der von Anfang an dazu bestimmt war, ‚unten‘ zu bleiben.“