Hans Husserl
Johann, genannt Hans, Husserl wird am 14. Oktober 1903 in Regensburg, Rote-Hahnen-Gasse 2 geboren. Sein Vater Hermann Husserl, von Beruf Typograph, ist Jude und stammt aus der Nähe von Brünn in Mähren, seine Mutter Rosa Husserl, ist von Beruf Modistin, katholisch und stammt aus der Karlsbader Gegend.
Vater Hermann Husserl kommt 1898 nach Regensburg, wohin ihm Rosa mit dem erstgeborenen Sohn Wilhelm folgt. Die beiden heiraten 1901 in Regensburg. Es war wohl nicht leicht für sie, eine Existenz zu gründen. Erst 1910 nach einer Reihe von Umzügen findet die Familie eine passende Wohnung in der Wahlenstraße 17, wo Frau Husserl dann auch ihre Werkstatt als Hutmacherin betreiben kann.
Hans Husserl, der zweite Sohn, für den wir hier den Stein verlegen, arbeitet nach einer kaufmännischen Ausbildung, wie es üblich war, an verschiedenen Orten, kommt aber dann wieder nach Hause zurück.
Vater Hermann Husserl entschließt sich Anfang der 1930er Jahre, katholisch zu werden. Die Konversion muss ein ziemlich schwieriges und langwieriges Unterfangen geworden sein. Ab Februar 1932 ist er deswegen im Klerikalseminar in Dillingen, wohin ihm seine Frau Rosa im Mai folgt. Das Taufzeugnis datiert vom 16. Juni 1933.
Um diese Zeit, in den Monaten nach dem 30. Januar 1933, waren die Nazis heftig dabei, ihr Regime Schritt für Schritt zu festigen. Am 30. März hatten sie bereits 107 jüdische Geschäftsleute und Handwerker im Regensburger Amtsgerichtsgefängnis, und weil der Platz nicht reichte, in der Turnhalle der Augustenschule gefangen gesetzt. Dies geschah zwei Tage vor dem Boykott-Tag jüdischer Geschäfte. Es folgte die Entlassung jüdischer Beamter aus dem Staatsdienst – die Bedrohung jüdischen Lebens war bereits im April 1933 allgegenwärtig.
Das Ehepaar Husserl bleibt noch bis Juli 1935 in Dillingen. Sohn Hans lebt allein in der elterlichen Wohnung in der Wahlenstraße. Aus Dillingen zurück, bereiten die Eltern ihre Ausreise vor. Aus Böhmen und Mähren stammend, hatten sie einen tschechoslowakischen Pass. Hermann Husserl verlässt Regensburg im Dezember 1935, seine Frau folgt ihm im März 1936 in die Tschechoslowakische Republik.
Sohn Hans bleibt in Regensburg und zieht 1938 in die Obermünsterstraße 17. Als Beruf verzeichnet das Adressbuch jetzt Pianist. Dies ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass er seinen ursprünglichen Beruf nicht mehr ausüben kann. Als Kaufmann hatte er es laut Meldekarte bis zum Prokuristen gebracht.
Für die NS-Behörden ist Hans Husserl „Mischling ersten Grades“ und mit entsprechenden antijüdischen Maßnahmen bedroht, auch mit Deportation. Die Konversion seines Vaters im Jahre 1933 ändert daran nichts. Die psychische Belastung ist sicher enorm hoch gewesen, selbst wenn Hans Husserl 1939 die deutsche Staatsbürgerschaft bekam.
Im Januar 1944 wird sein Vater Hermann Husserl nach Theresienstadt deportiert.
Im Oktober 1944, zwischen Mariaort und Etterzhausen, legt sich der Sohn auf die Schienen. Es ist sein 41. Geburtstag. Drei Tage später wird Johann Husserl auf dem Mariaorter Friedhof still beerdigt.
Sein Vater Hermann Husserl überlebte das KZ Theresienstadt.
Quelle: Stadtarchiv Regensburg