Johann Baptist Fuchs
Johann Baptist Fuchs wurde am 17. April 1915 in Regensburg als zweites Kind der Eltern Johann Baptist und Maria Fuchs, geb. Rosenbeck, in der Simmernstraße 5 geboren. Seine zwei Jahre ältere Schwester hieß Maria Kreszenz. Die Familie wohnte im 2. Stock des Hauses, der Vater verdiente als Vorarbeiter den Lebensunterhalt. Johann Baptist Fuchs kam gesund zur Welt, als er ein halbes Jahr alt war, litt er aber an Krämpfen – vielleicht aufgrund einer Hirnhautentzündung. Körperlich war er gut ausgebildet, wie auf Fotos zu sehen ist, doch zeigte sich eine geistige Behinderung, eine „Imbezillität 1a“ wurde diagnostiziert.
Kurzzeitig besuchte er eine „Hilfsschule“, war jedoch nicht fähig zu lernen und wurde zudem bei der Musterung für das Militär vom Dienst ausgeschlossen. Bis zu seinem elften Lebensjahr wohnte er in der Simmernstraße 5. Dann war eine Rundumbetreuung in der Familie nicht mehr möglich. Am 11. Juli 1926 wurde er zu den Barmherzigen Brüdern nach Reichenbach gebracht, in eine Heimstätte für Menschen mit Behinderung, die noch immer besteht. Er bekam dort ab und zu Besuch von seiner Familie, zum Beispiel an seinen Geburtstagen. Von diesen Ausflügen in die Umgebung gibt es auch noch Fotos. 15 Jahre blieb er dort.
Im Jahr 1941 – Johann Baptist Fuchs war gerade 26 Jahre alt geworden – gab es Schwierigkeiten mit der Finanzierung seines Aufenthalts in Reichenbach; am 15. Mai 1941 wurde er in die Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll in Regensburg verlegt. Nach knapp drei Monaten, am 5. August 1941, wurde der als „ungeheilt“ und „arbeitsunfähig“ Deklarierte „auf ministerielle Anordnung in eine Reichsanstalt“ verlegt, wie aus den Aufzeichnungen von Karthaus-Prüll hervorgeht. Diese „Reichsanstalt“ war Schloss Hartheim bei Linz in Österreich – eine von sechs Tötungsanstalten. Die als „unwertes Leben“ bezeichneten Opfer der sogenannten „Aktion T4“ wurden in Bussen nach Hartheim gebracht. Dort mussten sie sich ausziehen, ehe sie in einen Raum geführt, vermeintlich um zu duschen. Nachdem die Türen geschlossen worden waren, blies man Kohlenmonoxydgas hinein, bis sich niemand mehr bewegte. In den angrenzenden Räumen stapelte man die Toten und verbrannte sie schließlich. Die Asche wurde zuerst in die nahegelegene Donau gekippt, bis sich Anwohner beschwerten, da Knochen am Ufer liegenblieben. Später wurde die Asche im Park vergraben, außerdem befüllte man Urnen mit beliebiger Asche und schickte sie Angehörigen. So bekam auch Familie Fuchs eine Urne zugesandt, die sie im Familiengrab auf dem Oberen Katholischen Friedhof in Regensburg einließ – in der Annahme, es sei die Asche ihres Sohnes.