Mina Lichtenstein
Mina Lichtenstein kam am 28. Mai 1879 in Willmars in Unterfranken als Mina Jacob zur Welt. 1912 heiratete sie in Regensburg Siegfried Lichtenstein, geboren 1878 in Labischin, Posen.
Das Ehepaar wurde Eltern zweier Töchter: Hertha (geboren im November 1912) und Rita (geboren im Dezember 1913). Die Familie lebte zunächst in der Derflinger Straße und zog 1914 in die Ludwigstraße 1, das Mühlbacherhaus. Siegfried war Textilkaufmann, Mina Inhaberin der Musikalienhandlung Jacob. 1917 erwarb die Familie die bayerische Staatsangehörigkeit.
Tochter Hertha, später verheiratete Levy, emigrierte 1936 nach Brasilien. Bei einem Besuch in Regensburg im Juli 1987 erzählte sie in einem Interview mit der Mittelbayerischen Zeitung einen Teil ihrer Familiengeschichte (M. Wabra: Interview mit Hertha Levy, geb. Lichtenstein, am 08.07.1987). So sei der Vater Frontsoldat im Ersten Weltkrieg, als Kriegsversehrter zurückgekehrt und aufgrund dieser Schädigung kaum noch erwerbsfähig gewesen. Auch die Musikalienhandlung der Mutter lief nach dem Krieg nicht sonderlich gut, sodass die Familie mit großen wirtschaftlichen Einschränkungen leben musste. Den Erzählungen seiner Tochter zufolge hat Siegfried Lichtenstein immer geglaubt, er hätte als Angehöriger des Centralverbandes der jüdischen Frontsoldaten nichts zu befürchten, zumal er ab Herbst 1940 als „Weltkriegsversehrter“ die gleichen Lebensmittelsonderzuteilungen bekam wie die „deutschstämmigen“ Regensburger. In der Regel wurden der jüdischen Bevölkerung ab November 1939 Zusatzrationen an Lebensmitteln vorenthalten. Aus diesem trügerischen Sicherheitsgefühl heraus gehörte die Familie auch nicht zu den Zionisten, als die sie hätten auswandern können. Hertha Levy erzählte, sie habe später – das Jahr ist nicht bekannt – noch versucht, die Eltern nach Brasilien zu holen, aber da war es bereits zu spät. Ihre Schwester Rita wiederum war 1933 emigriert und soll eine Zeit illegal in Palästina gelebt haben. Sie hätte die Eltern nicht aufnehmen können.
Mina und Siegfried Lichtenstein wurden im August 1939 aus ihrer Wohnung in der Ludwigstraße in die Furtmayrstraße 4 „umgesiedelt“, in ein sogenanntes „Judenhaus“. Im April 1942 wurden sie nach Piaski deportiert und in einem Vernichtungslager im Osten ermordet.