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Abraham Firnbacher

Abraham Firnbacher stammte aus Goßmannsdorf/ Main, einer kleinen Gemeinde nahe Ochsenfurt, die seit dem frühen 16. Jahrhundert eine relativ große jüdische Gemeinschaft mit umfasste. Zu ihr gehörte eine Synagoge, lange Zeit eine jüdische Schule sowie ein Ritualbad. Allerdings gab es 1933, zu Beginn der nationalsozialistischen Zeit, nur noch wenige Juden im Ort; ihre Wohnungen sowie die Synagoge wurden beim Novemberpogrom 1938 von SA- und SS- Trupps aus Ochsenfurt völlig verwüstet. Die Synagoge musste 1939 an die Gemeinde Goßmannsdorf verkauft werden, der Kaufpreis erbrachte weniger als die Hälfte des Einheitswertes, der ja wiederum nur einen Teil des Verkehrswertes, also des eigentlichen Marktwertes ausmacht. Proteste der Bayerischen Israelitischen Kultusgemeinde gegen dieses
Preisdiktat blieben, wie in allen diesen Fällen, ergebnislos. Aus der Synagoge wurde nach 1945 ein Wohnhaus; im Zuge des Restitutionsverfahrens nach dem Krieg musste die Gemeinde eine Entschädigung zahlen.

Abraham Firnbacher, der hier 1865 geboren wurde, entstammt einer eingesessenen Metzgers- und Viehhändlerfamilie, so dass auch er den Beruf des Viehhändlers weiterführte. Wenige Jahre nach seiner Heirat mit Sara Hellmann zog er 1901 nach Regensburg, wo er 10 Jahre später das Bürgerrecht erwarb. Das ist insofern bemerkenswert, als nur ein kleiner Teil der Bewohner der Stadt Regensburg das Bürgerrecht besaßen, um das Jahr 1900 waren das gerade einmal 6 % der Bevölkerung. Das Bürgerrecht zu erwerben war teuer, da sich viele Städte und auch Gemeinden auf diesem Wege davor absichern wollten, Sozialleistungen für verarmte Bürger aufzubringen. In der Folge waren es wohlhabende und reiche Menschen, die das Bürgerrecht besaßen und damit auch die Berechtigung, an der kommunalen Politik (z.B. Kommunalwahlen) teilzunehmen. Wenn also Abraham Firnbacher 1911 dieses Bürgerrecht erwerben konnte, so erhält man indirekt eine Auskunft über seine finanzielle Situation und den Erfolg seines Betriebes.

Auch weitere Mitglieder der Familie Firnbacher siedelten in Regensburg, wo sie im Bereich des Viehhandels tätig waren und darin offensichtlich eine wichtige Rolle spielten. Abrahams Bruder Salomon lebte in Straubing.
Der wirtschaftliche Erfolg Abraham Firnbachers zeigte sich auch in der Wohnsituation: wohnte die Familie 1910 in der Grasgasse 12, wird im Jahr 1935 die Adresse Proskestraße 5 aufgeführt. Hier fanden dann
1937 auch seine Schwägerin Klara Hellmann sowie ihr Mann Isaak Unterkunft, nachdem sie ihren bisherigen Wohnort Gochsheim verlassen hatten müssen.

Abraham Firnbachers Ehefrau Sara (geb. Hellmann aus Burghaslach) brachte drei Kinder zur Welt, starb aber bereits 1923 im Alter von 53 Jahren. Auch einer der Söhne verschied in frühen Jahren, während die beiden anderen offensichtlich rechtzeitig Deutschland verlassen konnten und dann in den USA lebten.
 
Dies kann man u.a. daraus entnehmen, dass im August 1945 in der deutschsprachigen jüdischen Zeitung „Aufbau“ in den USA eine Todesanzeige für Abraham Firnbacher erschien.

Wie das Leben von Abraham Firnbacher in den Jahren nach 1933 in Regensburg verlief, darüber fanden sich keine Notizen. Sicher ist, dass er wie alle Juden den Drangsalierungen des Nationalsozialismus ausgesetzt war, immer mehr an Besitz und Rechten verlor, alles dessen beraubt wurde, was zuvor seinen wirtschaftlichen Erfolg herbeigeführt hatte.
 
Im September 1942, inzwischen 77 Jahre alt, wurde er nach Theresienstadt deportiert, wo er wenige Monate später, im Januar 1943 den dortigen Lebensbedingungen erlag. Es existiert eine Sterbeurkunde aus dem Lager, in der „Enteritis“ [eine Durchfallerkrankung] und „Darmkatarrh“ als Todesursache aufgeführt werden – eine Standarddiagnose, die sich auf zahllosen anderen Sterbeurkunden aus Theresienstadt findet. Der Tod dieser Menschen war gewollt, selbst in dieser Situation wurde ihnen ihre Individualität verweigert.

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