Arthur Bodenheimer
Arthur (auch: Artur) Herzel Bodenheimer wurde am 18. August 1889 in Straßburg geboren. Der Handelsvertreter heiratet Irma Jakobsohn (auch: Jacobsohn und Jacobson). Das Ehepaar hatte zwei Kinder und wohnte zuletzt in der Dechbettener Straße 13. Er, seine Frau Irma und die Tochter Margot wurden mit dem ersten Transport am 2. April 1942 von Regensburg nach Piaski deportiert. Ort und Tag ihrer Ermordung ist nicht bekannt.
Im Haus in der Dechbettener Straße 13 wohnten Arthur Bodenheimer, 52 Jahre alt, mit seiner Frau Irma, 43 Jahre alt, und die 16-jährige Tochter Margot. Zur Familie gehörte auch Sohn Eric (auch: Erich). Dieser war allerdings bereits vor Kriegsbeginn in Frankreich untergetaucht, von einer französischen Familie aufgenommen, 1942 verhaftet, deportiert, konnte aber fliehen und überlebte in Frankreich. Seit Kriegsbeginn hatte der damals 17-Jährige keinen weiteren Kontakt mehr zu seinen Eltern und seiner Schwester Margot. Zuletzt wohnte er in Straßburg, wo er eine Familie gründete und Vater zweier Töchter wurde. Leider konnten bisher keine Kontakte zu diesen Nachfahren der Familie Bodenheimer geknüpft werden.
Irma Bodenheimer wurde als Irma Jakobsohn am 13. Dezember 1898 in Mannheim geboren. Sie und Arthur heirateten am 16. Juni 1921 in Frankfurt a. M.. Dort werden auch ihre Kinder Erich (29. Juni 1922), später mit Nachnamen Maier, und Margot Julie (13. September 1925) geboren. Die sehr gut situierte Kaufmannsfamilie Bodenheimer wohnte bis 1933 in Frankfurt. Laut Aussagen des Sohnes und eines Onkels bewohnte die Familie eine 7-Zimmer-Wohnung in einer sehr guten Wohngegend, hatte immer Hauspersonal und der Vater ein extra Büro in Frankfurt. Bereits im Juni 1933 wanderte die Familie nach Straßburg aus, wo sie Verwandte hatte und Arthur geboren worden wurde. Bereits im Herbst 1934 mussten sie nach Saarbrücken zurück, um an ihr inländisches Vermögen zu kommen. Dort wechselt sie von Herbst 1934 bis Herbst 1939 sechs Mal den Wohnsitz und wurde im September 1939 nach Regensburg evakuiert (in den Akten steht: „eine Abmeldung anlässlich der 1. Evakuierung 1939 ist nicht registriert“). Sie erhielten den Titel „Flüchtlinge“.
In Regensburg wohnte Familie Bodenheimer zwei Monate in der gleichen Straße im Haus Nr. 44 und zog dann in die Dechbettener Straße 13 um. Die Eltern Bodenheimer gingen in Regensburg keiner Arbeit nach, sondern lebten bis zu ihrer Deportation im April 1942 von ihren Ersparnissen (welche Sonderabgaben wie Reichsfluchtsteuer bzw. Judenabgabe sie zu entrichten hatten, ist nicht bekannt). Im Februar 1941 stellten Arthur und Margot Bodenheimer noch einen Antrag auf Ausstellung eines polizeilichen Führungszeugnisses zur Auswanderung. Vonseiten der Polizei wurden dagegen keine Bedenken erhoben. Allerdings sind keine weiteren Schritte mehr bekannt.
Über die Tochter Margot wissen wir durch eine eidesstattliche Erklärung ihres Bruders Eric von 1966 Folgendes: Margot besuchte in Frankfurt von Ostern 1932 bis April 1933 die höhere Lehranstalt des Philantropin, in Straßburg bis April 1934 eine jüdische Schule (Ecole St. Thomas) und auch in Saarbrücken war Margot laut Auskunft ihres letzten Lehrers (der später in Israel lebte) von Dezember 1934 bis zum 10. November 1938 an der jüdischen Schule. An diesem Tag wurde die Schule geschlossen.
Zitat des Bruders:
„Ich kann auf das Bestimmteste versichern, dass meine Schwester gleich mir die höhere Schule absolvieren sollte, mit dem Abschluss des Abiturs. Es war auch vorgesehen, dass meine Schwester einen entsprechenden Beruf später ergreifen sollte.“
Auch hier in Regensburg hat Margot, nach Aussagen ihres Onkels Max Jacobsohn (später Jacobson), der in die USA ausgewandert war, eine Schule besucht.
Zitat des Onkels:
„Sie ist also, da sie ja 1939 aus Saarbrücken ausgewiesen wurde, noch über das 14. Lebensjahr hinaus in die Schule gegangen, was also bedeutet, dass sie trotz aller Maßnahmen irgendeinen Beruf zu erlernen versuchte oder eine schulische Ausbildung weiterzuführen.“
In der Dechbettener Straße 13 lebte also eine Familie, die bereits seit dem Jahre 1933 auf der Flucht war, vielmals ihren Wohnort wechseln, ihren Sohn alleine in einem fremden Land zurücklassen musste, nach Regensburg evakuiert und von Regensburg aus nach Piaski deportiert wurde.
Der Todestag von Arthur, Irma und Margot wurde auf den 8. Mai 1945 festgelegt.