Dr. Johann Maier
Dr. Johann Maier, geboren am 23. Juni 1906 in Berghofen, heute Gemeinde Eching im Landkreis Landshut – gestorben am 24. April 1945 in Regensburg.
Johann Maier entstammte einer katholischen Familie. Seine Eltern Andreas und Maria Maier betrieben eine Landwirtschaft, erst in Berghofen, später in Marklkofen (Landkreis Dingolfing-Landau). Johann war das vierte von vierzehn Kindern der Eheleute und ihr Erstgeborener. Von seinen dreizehn Geschwistern starben acht im Kindesalter. Auch Hans war ein sensibles Kind von zarter Gesundheit. Er war aber auch ein wissbegieriges, lebhaftes und begeisterungsfähiges Kind mit tausend Fragen und Ideen. Seine schulischen Leistungen waren so beeindruckend, dass Pfarrer Franz Xaver Rohrmeier den Buben zu Höherem berufen sah.
1918, im Alter von zwölf Jahren, begann für Johann Maier der straff getaktete Alltag im Internat der Benediktiner Mönche am humanistischen Gymnasium in Metten. Bis zum Abitur 1927 blieb Johann Maier mit Abstand Klassenbester. Für seine Mitschüler war er ein guter Kamerad, sie empfanden ihn nicht als Streber, manchmal als etwas abwesend vielleicht, manche als etwas distanziert, sie schilderten ihn als wissensdurstig und diskussionsfreudig. Pfarrer Rohrmeier kümmerte sich auch weiterhin um seinen Schützling, besorgte ihm Bücher und hoffte, dass er eines Tages Professor zum Beispiel für Kirchengeschichte oder ein ähnliches theologisches Fach werde.
Johann Maier begann sein Studium 1927 an der PTH, der Philosophisch-theologischen Hochschule Regensburg im Klerikalseminar unter Erzbischof Michael Buchberger. Nach zwei Semestern 1928 durfte er nach Rom an das Germanicum wechseln. Die Leitung dieses Priesterseminars für Studenten aus dem deutschsprachigen Raum lag in der Hand von Jesuiten. Das Studium der Philosophie und der Theologie fand an der Gregoriana statt, der päpstlichen Universität. Seinen Abschluss erlangte Johann Maier mit dem Doktorgrad im Fach Philosophie und der Priesterweihe im Oktober 1933.
Zu seiner Primiz kamen seine Eltern und Pfarrer Rohrmeier mit zweiundzwanzig Marklkofenern. Die Heimatprimiz fand 1934 in Maiers Heimatgemeinde Marklkofen statt.
In den folgenden fünf Jahren wurde Dr. Maier an verschiedenen Stellen in der Seelsorge eingesetzt, bei Nonnen als Hausgeistlicher, in Pfarreien als Vertretung des Pfarrers oder als Kaplan. Gleichzeitig arbeitete er immer noch an seiner Promotion im Fach Theologie, eine Arbeit, die immer umfangreicher wurde und ihm über den Kopf zu wachsen schien. 1939, in den Monaten vor Kriegsbeginn, kam Dr. Maier an die Philosophisch-theologische Hochschule in Regensburg als Dozent im Fach Philosophie. Mit Kriegsbeginn wurden die Theologiestudenten eingezogen, und für Dr. Maier endete die Aufgabe als Repetitor. Etwa gleichzeitig wurde Dr. Maier als Domprediger bestellt, zunächst auf Probe und schließlich fest. Erstmals bezog er eine eigene Wohnung am Krauterer Markt 4. In den sechs Jahren als Domprediger scheint Dr. Johann Maier seine Berufung gefunden zu haben. Eine wachsende und geradezu enthusiastische Anhängerschaft vor allem von Frauen braucht seine Ansprache in diesen Kriegsjahren. Am 23. April 1945 verlässt der Domprediger die Kanzel und den Dom und spricht zu den „Regensburgern aller Konfessionen und Weltanschauungen“ für die kampflose Übergabe der Stadt. Dafür haben ihn die Regensburgerinnen und Regensburger nie vergessen.
Der 23. April 1945 und der Domprediger Dr. Johann Maier
Ein Lauffeuer ging durch die Stadt: „Kommt zum Neuen Rathaus, nehmt eure Kinder mit und weiße Tücher und schreit recht fest!“ Die Frauen kamen zu Hunderten. Sie schwenkten weiße Tücher und schrien: „Gebt die Stadt frei! – Gott erhalte Regensburg!“ Als sich kein Bürgermeister, kein Militär, kein Kreisleiter blicken ließ und Polizei bedrohlich auffuhr, wurden die Frauen wütend und wandten sich nach Süden, dem Klarenanger mit der Kreisleitung zu. In dem Tumult, der sich dadurch entwickelte, stieg Domprediger Dr. Johann Maier auf einen Mauervorsprung an der Ecke Von-der-Tann-Straße, nahm die Forderung der Frauen auf und versuchte, die Situation zu beruhigen. Ein Gestapobeamter in Zivil zog ihn vom Sockel. Mehrere Männer wurden verhaftet. Michael Lottner wurde in der Kreisleitung erschossen.
Noch in derselben Nacht verurteilte ein Standgericht Dr. Johann Maier und Josef Zirkl wegen Wehrkraftzersetzung zum Tod durch den Strang. Das Urteil wurde noch vor dem Morgen auf dem Platz vor dem Neuen Rathaus vollstreckt.
Das geschah am Abend des 23. April 1945 und in der darauf folgenden Nacht in Regensburg. Dieser letzten Regensburger Opfer des Naziregimes wird jedes Jahr im Rahmen eines Gedenkweges für alle Opfer des Faschismus gedacht. Unter der Losung: „Im Gedenken an die Nazi-Opfer, bleibt wachsam!“ ist der 23. April über die Jahrzehnte zum antifaschistischen Gedenktag Regensburgs geworden.