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Georg Hausdorf

Georg Julius Hausdorf wurde am 18. Juli 1880 in Karoliningrube bei Kattowitz geboren. Wie seine Eltern, Josef und Ernestine, ist er jüdischen Glaubens. Er arbeitete als kaufmännischer Angestellter und lebte ab 1938 in Regensburg. Seine Ehe mit Anna Fahrnmatter, geschlossen 1904 in Berlin, wurde 1934 geschieden. Laut Beurkundung in Dachau starb er am 22. Juni 1942 um 16.10 Uhr an Lungenentzündung und Herzversagen.

Doch das ist nicht die Wahrheit. In Wirklichkeit ist Georg Hausdorf ein Opfer der „Sonderbehandlung 14f13“ – der geplanten Tötung von „nicht mehr arbeitsfähigen“ Menschen durch Gas in den sechs NS-Tötungsanstalten der T4-Organisation. „T4“ deshalb, weil der Plan zur Ausrottung „unwürdigen Lebens“ – also kranker, behinderter oder psychisch kranker Menschen – in der Tiergartenstraße 4 in Berlin von den Nazis erdacht wird. „14f13“ – weil die Nazis in den Akteneinträgen ihren sadistischen Todesarten verschiedene Nummern zuweisen: „14“ steht für den zuständigen Inspekteur der KZ, „f“ für Tod und „13“ für Tötung durch Gas in den T4-Anstalten.

Von Dezember 1941 bis März 1942 war Georg Hausdorf im Gerichtsgefängnis Regensburg inhaftiert. Er wurde am 5. März 1942 in das KZ Dachau überstellt und erhielt dort die Häftlingsnummer 29354 in der Kategorie „Schutzhaft Jude“. Nur kurze Zeit später wurde Georg Hausdorf „als nicht mehr arbeitsfähig selektiert und zusammen mit 100 anderen Häftlingen am 6. Mai 1942 in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim (bei Linz) gebracht und dort kurz nach dem Eintreffen vergast und verbrannt“, so Albert Knoll, Mitarbeiter im Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Es handelte sich hierbei um die zweite von vier Transportetappen im Jahr 1942 mit insgesamt 561 kranken, nicht arbeitsfähigen Häftlingen, die in einem sogenannten „Invalidentransport“ vom KZ Dachau in die NS-Tötungsanstalt Schloss Hartheim verbracht wurden. Die Nazis verschleiern bewusst diese Tatsache. Sie datierten den Totenschein mit „normaler“ Todesursache zwei Monate später, auf Ende Juni.

Peter Eigelsberger von der Dokumentationsstelle Hartheim bei Linz erklärte dies in einer Mail vom 14. November 2016 so:
„Offiziell starben alle Opfer der ‚Sonderbehandlung 14f13‘ in den Stammlagern. Der Todesfall von Georg Hausdorf wurde daher vom Standesamt Dachau beurkundet. Tatsächlich kam er mit dem sogenannten Invalidentransport vom KZ Dachau in die Tötungsanstalt Hartheim. Alle Häftlinge wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft in Hartheim in der Gaskammer ermordet. Die Beurkundungen fanden später statt, es verwundert daher nicht, dass die offiziellen Todesdaten auf eineinhalb Monate später datiert wurden, diese Fälschungen waren gängige Praxis.“

 

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