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Johann Eibl

Johann Eibl wurde am 27. September 1895 in Viehhausen bei Regensburg als Sohn von Georg und Maria Eibl geboren. Sein Vater war Bürstenmacher.

Wilhelm Kick schreibt in seinem recht ausführlichen Lebenslauf über Johann Eibl:
„Nach 7 Jahren Volksschule war er bei seinem Firmpaten in Untermassing in der Landwirtschaft tätig. Während dieser Zeit – vom 14. bis 16. Lebensjahr – besuchte er die Fortbildungsschule. Vom 16. bis 20. Lebensjahr, nämlich bis zu seiner Einberufung zum Militär- und Kriegsdienst, verdiente er seinen Lebensunterhalt als Hilfsarbeiter u.a. bei der Zuckerfabrik und bei der Schiffswerft. Eingezogen wurde er im Oktober 1915 zur Marineartillerie nach Kiel. Den Ersten Weltkrieg machte er also zur See mit, bis zu seiner Entlassung als Matrosenartillerist im Frühjahr 1919. Dabei hatte er sich Gesundheitsschäden zugezogen und bezog deswegen eine sehr kleine Invalidenrente.

Nach dem Ersten Krieg zog Eibl nach Regensburg und kam zunächst als Helfer bei der Post unter. Dort mußten aber bevorzugt Schwerkriegsbeschädigte untergebracht werden, zu denen er nicht zählte. … Er war danach als Hilfsarbeiter bei Regensburger Malerbetrieben beschäftigt, zwischendurch hin und wieder arbeitslos … Im April 1939 stellte das Wasserstraßenamt Regensburg Eibl als Vorarbeiter ein. Aber seine Tätigkeit war dort bald wieder vorläufig zu Ende: Zum zweiten Mal wurde Eibl in einen Weltkrieg geholt, wieder zur Marine. Gleich bei Beginn des Krieges zog man ihn nach Emden ein.

Nach über 10 Monaten Dienst wurde er wegen Krankheit entlassen. Bald danach konnte er daheim seine Beschäftigung beim Wasserstraßenamt für ganz kurze Zeit fortsetzen. Schon Ende 1940 war sein Gesundheitszustand so, daß er als nicht mehr arbeitsfähig invalidisiert wurde.“ [Kick Wilhelm, Sag es unseren Kindern. Widerstand 1933-1945. Beispiel Regensburg, 1985, Seite 163, in den historischen Quellen wird die dortige Rechtschreibung beibehalten.]

1933 wurde Johann bereits zum ersten Mal verhaftet und offensichtlich wegen seiner politischen Ausrichtung [Regensburger Anzeiger, Nr. 76 vom 17.3.1933 (Stadtanzeiger)] in der „Augustenburg“ in Regensburg für zwei Tage, am 25. und 26. Juni, in sogenannte „Schutzhaft“ genommen.

Später gehörte Johann zu den etwa 40 Personen, die zwischen Oktober 1942 und Februar 1943 verhaftet werden, weil sie sich als gute Bekannte teilweise seit Jahrzehnten am Regensburger Neupfarrplatz treffen, um soziale Kontakte zu pflegen. Zu ihnen gehören Sozialrentner, Invaliden aus dem Ersten Weltkrieg oder Arbeitslose. Diese Treffen sind keineswegs organisiert. Sie tauschen Gerüchte und neueste Nachrichten aus oder diskutieren politische Meinungen. Die Gestapo wirft ihnen jedoch staatsfeindliches Verhalten vor [Regierungspräsidentenbericht 9.11.1942] und prägt außerdem den Begriff „Neupfarrplatzgruppe“ [Halter Helmut, Stadt unterm Hakenkreuz: Kommunalpolitik in Regensburg während der NS-Zeit, Regensburg, Univ.-Verlag 1994, Seite 214].

Es war offensichtlich, daß für den Staat von dieser angeblichen Gruppe keinerlei Gefahr ausging, also weder Revolutionspläne noch irgendwelche gewaltsamen Maßnahmen vorbereitet wurden; hierzu hätten sich die Festgenommenen wohl kaum in aller Öffentlichkeit getroffen. Dennoch schlug die NS-Justiz mit voller Härte zu, da durch diesen Personenkreis viele deutsche Volksgenossen in ihrer Siegeszuversicht ganz erheblich geschwächt, wenn nicht staatsgegnerisch eingestellt worden sind.`“[in Halter Helmut, Stadt unterm Hakenkreuz: Kommunalpolitik in Regensburg während der NS-Zeit, Regensburg, Univ.-Verlag 1994, Seite 215].

Mindestens 15 Gesinnungsgenossen werden zusammen mit Johann am 3. November 1942 von der Gestapo Regensburg verhaftet und noch am selben Tag wird er in das Konzentrationslager Flossenbürg verbracht. Dort gibt es eine eigene Politische Abteilung, die nicht der Inspektion der KZ untersteht, sondern als Gestapo-Dienststelle fungiert [in Kick Wilhelm, Sag es unseren Kindern. Widerstand 1933-1945. Beispiel Regensburg,1985, Seite 132].

Die Anklage lautet auf „Abhören ausländischer Sender und Verbreitung dieser Nachrichten im größeren Kreis“. Wilhelm Kick schreibt in seinem ausführlichen Lebenslauf über Johann Eibl weiter: „Zu seiner politischen Vergangenheit gab Eibl bei der Vernehmung durch die Gestapo an, daß er früher zwar Sozialdemokrat aber kein Mitglied dieser Partei gewesen wäre. Auch gab er zu, daß er öfter am Neupfarrplatz gewesen war und sich dabei die am Kiosk ausgestellten Zeitungen und Zeitschriften angesehen hätte. Dieser Darstellung zu seiner Verteidigung widerspricht, was der RA vom 27.6.1933 berichtet. Dort findet sich Johann Eibls Name unter den 45 `Funktionären der SPD und KPD`, die zwischen dem 24. und 26.6.33 in Schutzhaft genommen worden waren.“ [in Kick Wilhelm, Sag es unseren Kindern. Widerstand 1933-1945. Beispiel Regensburg,1985, Seite 164]

Die Gestapo verhört die Verhafteten noch am selben Tag, dem 3. November, und setzt dabei allem Anschein nach Folterungen ein. [Die Vernehmungsprotokolle der Gestapo Regensburg gingen in Abschriften zum Prozess an das OLG München und befinden sich im Staatsarchiv München in den Unterlagen der Generalstaatsanwaltschaft München 3422/1-3] Nur 18 Tage nach seiner Verhaftung, so die Angabe des SS-Lagerarztes, habe sich Johann in seiner Zelle im Konzentrationslager Flossenbürg erhängt. Es war der 21. November 1942. Das Verfahren gegen ihn vor dem Oberlandesgericht München wurde schließlich, ebenso wie für Georg Sonnauer, am 10. August 1943 eingestellt.

Am 9. Juli 2014 wurde in der Unteren Bachgasse 6 ein Stolperstein für Johann Eibl verlegt.

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