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Josef Grünhut

Josef Grünhut wurde am 24. Februar 1892 in Regensburg geboren. Sein Vater war der Regensburger Kaufmann Isidor Grünhut, seine Mutter Mina Grünhut, geborene Veith, aus Steppach. Der Vater stammte aus Pilsen und hatte nach dem Tod seiner ersten Frau in Regensburg erneut geheiratet.

Josef Grünhut hatte zehn Geschwister: sechs Schwestern und vier Brüder. Im Ersten Weltkrieg starb sein Bruder Berthold – Vizefeldwebel und Offiziersaspirant – im November 1916 in Russland. Josef Grünhut überlebte den Krieg als Soldat (wie seine anderen Brüder) und kehrte nach Regensburg zurück. Sein Vater führte am St.-Georgen-Platz 2 ein Geschäft für Häute und Felle, in dem Josef Grünhut wohl mitarbeitete. Am 25. August 1920 heiratete er Else Gerstle. Sie hatten eine Tochter, der vermutlich die Ausreise gelang. Josefs Vater Isidor Grünhut starb am 10. Juli 1924. Josef Grünhut führte das Geschäft für Häute und Felle später in der Von-der-Tann-Straße 1. Im Mai 1938 wurde er als einer von 59 Betrieben und Rechtsanwaltskanzleien in der nationalsozialistischen Zeitung „Bayerische Ostmark“ genannt, deren Inhaber „abhauen“ sollten.

In der Weißenburgstraße 31 wurde im Sommer 1938 das ehemalige Altenheim der israelitischen Gemeinde wiedereröffnet. Rabbiner Dr. Salomon konnte Else und Josef Grünhut für die Leitung gewinnen. Sie gehörten zu den beliebtesten Mitgliedern der Kultusgemeinde Regensburg. Die Geheime Staatspolizei genehmigte das Vorhaben, nutzte aber diese Einrichtung der Wohlfahrtspflege später als Zwangssammellager. Ab 1939 wurden 50 Insassen aufgenommen, die zu drei Viertel von außerhalb Regensburgs kamen. Es waren zehn Pflegekräfte tätig.

Am 23. September 1942 wurden 117 Männer und Frauen, größtenteils Seniorinnen und Senioren über 60 Jahre, in das KZ Theresienstadt deportiert. Die „Transportkosten“ von 9.500 RM nahm man den Deportierten ab. Else und Josef Grünhut gehörten auch zu diesem „Transport“. In der Presse wurde dieser nicht erwähnt.

Josef Grünhut verabschiedete sich noch von der katholischen Friedhofswärterin, Frau Weber, der er 150 RM schenkte. Ihr sagte er, dass sie in ein zentrales Altenheim nach Theresienstadt kommen sollten. Ob er diesen Angaben glaubte, wissen wir nicht. Ein kurz zuvor von Flora Grünhut, einer 76-jährigen Heimbewohnerin geschriebener Brief an eine Nichte enthält aber schon die Nachricht vom Tod einer nach Piaski transportierten Tante und Andeutungen einer bevorstehenden „Reise“. Frau Weber verschickte noch Postkarten der Altenheimbewohnerinnen und -bewohner, die ihr übergeben wurden.

Josef Grünhut wurde 1944 im KZ Auschwitz ermordet.

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