Ruth Freising
Ruth Freising wurde am 17. Oktober 1920 geboren.1938 konnte sie in die USA auswandern.
Ihr Vater Carl Freising wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, verehelichte sich am 4. September 1919 in Nördlingen mit Irma Kaufmann, ihrer Mutter, die ein Jahr jünger war als er. Auch sie entstammte einer Kaufmannsfamilie. Wenige Wochen später zog das junge Paar nach Regensburg um – ab dem 30. September 1919 waren sie dort gemeldet. Sie bezogen eine Wohnung im zweiten Stock des Anwesens am Arnulfsplatz 4. Ein Jahr später wurde die erste Tochter geboren mit Namen Anna Ruth. 1927 folgten Tochter Doris und im Jahr 1928 Sohn Alfred.
Carl Freising betätigte sich ebenfalls als Kaufmann. Er führte eine Eisen-, Metallwaren- und Baubeschlägehandlung, anfangs in der Unteren Bachgasse, in den 1930er Jahren dann in der Oberen Bachgasse 21. Das Geschäft hatte einen guten Ruf als Fachgeschäft mit vielen treuen Stammkunden weit über die Stadtgrenzen hinaus. Das Jahresgewinn war solide und belief sich auf ca. 10.000 RM. Zusätzlich übernahm Carl Freising in den folgenden Jahren den Reparaturservice für Sägemaschinen der Fa. Gottfried. Er beschäftigte zwei Angestellte und drei Lehrlinge.
1936 musste Ruth die Schule beenden. Sie versuchte daraufhin, ihre Eltern zu einer Ausreise zu bewegen. Doch ihr Vater war davon überzeugt, als Kriegsteilnehmer und angesehener Kaufmann keinerlei Gefahr ausgesetzt zu sein. Nichtsdestotrotz bemühte sich Ruth um ein Ausreisevisum. Im Januar/Februar 1938 gelang es ihr schließlich, über Hamburg zu entfernten Verwandten in die USA auszureisen. Von dort versuchte sie, ihre Eltern und Geschwister nachzuholen.
In der sog. Reichspogromnacht vom 9. auf 10. November 1938 wurde auch Carl Freising von SA- und SS-Männern aus dem Haus getrieben und verhaftet. Am darauf folgenden Tag wurde er dem KZ Dachau überstellt. Nach seiner Freilassung sah er sich gezwungen, sein Geschäft unter Wert an die Fr. Gottfried zu verkaufen. Er konnte mit dem Käufer vereinbaren, als Hilfsarbeiter im Werk in Dechbetten beschäftigt zu werden, um seine Ausreise in die USA vorzubereiten.
Gleichzeitig zog die Familie in die Landshuterstraße 14b um, außerhalb der Altstadt, aber in Nähe des Altersheimes in der Weißenburgstraße 31. Dorthin war Simon Freising 1940 eingezogen, der verwitwete Vater Carls, nachdem er sein Wohnhaus in Sülzburg im Jahr 1939 ebenfalls verkaufen und innerhalb von 12 Monaten ausziehen musste. Er verstarb dort im Januar 1941 und ist auf dem Jüdischen Friedhof an der Schillerstraße beerdigt.
Am 2. April 1942 wurden Carl und Irma Freising sowie ihre beiden Kinder Doris und Alfred aufgefordert, mit 30 kg Gepäck pro Person sich auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge Am Brixener Hof einzufinden. Ihnen wurde mitgeteilt, in den Osten umgesiedelt zu werden. Am 4. April, nachdem ein Zug mit jüdischen Familien aus München eingetroffen war, begann die Reise, die nach einigen Tagen in Piaski endete. Im dortigen Shettl musste sich Familie Freising und die übrigen 100 Regensburger Juden einquartieren, in Holzhäusern, deren ursprüngliche Besitzer bereits ermordet worden waren.
Das weitere Schicksal der Familie ist unbekannt.