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Sara Kapp

Sara Kapp erblickte am 5. Mai 1875 in Neustadt/Kirchhaim (nahe Marburg) das Licht der Welt. Sie war das erste Kind von Henriette und Abraham Bachrach, acht weitere Geschwister folgten. Im Alter von elf Jahren verlor Sara ihre Mutter und musste sich fortan wohl um die jüngeren Geschwister kümmern, während ihr Vater mit seiner Tätigkeit als Viehhändler die Familie ernährte.

Drei Tage vor ihrem 22. Geburtstag, am 2. Mai 1897, heiratete Sara den Kaufmann Adolf Kapp. Im Februar 1898 wurde Tochter Blanka geboren und sie begannen, sich in Mainz ein neues Leben aufzubauen. 15 Jahre später, im Juli 1912, starb Saras Ehemann jedoch. Wenige Monate später verließ sie zusammen mit ihrer Tochter die Stadt und zog nach Marburg. Dort bewohnte ihr Vater ein eigenes Haus in der Bahnhofstraße 36. Er war inzwischen mit der Firma A.S. Bachrach – Großhandlung für Mehl, Getreide, Kolonialwaren, Futtermittel, Sämereien ein vermögender Mann geworden. Bereits im Jahr 1909 war die Firma als offene Handelsgesellschaft in das Marburger Handelsregister eingetragen worden. Zwei von Saras Brüdern, Samuel und Adolf, waren seit 1911 Miteigentümer des väterlichen Unternehmens. Während des Ersten Weltkriegs leitete Adolf die gut eingeführte Firma alleine, da Samuel und ein weiterer Bruder eingezogen wurden; Vater Abraham schied 1916 offiziell aus dem Betrieb aus und übergab ihn seinem Sohn Adolf. Das Unternehmen entwickelte sich in den folgenden Jahren erfolgreich weiter, beschäftigte mehrere Angestellte und war einer der größten Steuerzahler in Marburg. Als Abraham im April 1918 starb, zog Sara aus der Wohnung im väterlichen Haus aus. Sie nahm sich eine eigene Wohnung in Marburg, in der sie bis zum Juli 1933 gemeldet war.

In dieser Zeit arrangierte Sara Kapp die Vermählung ihrer Tochter Blanka. Die Wahl fiel auf Eduard Apfel (*1884) aus Sinsheim in Baden, einem Geschäftsmann, der seit 1919 in Regensburg lebte und Gesellschafter der Maschinen- und Werkzeughandlung Meier Katz OHG, Haidplatz 7, war. Am 2. September 1927 heirateten Blanka und Eduard in Marburg. Das Paar lebte fortan in Regensburg, wo 1928 Tochter Lore und 1930 Sohn Alfred geboren wurden.

1932 musste die Maschinenhandlung Meier Katz OHG Konkurs anmelden und Eduard Apfel verlor seinen Gesellschafteranteil. Daraufhin gründete Blanka Apfel 1933 ein neues Unternehmen in der Rote-Hahnen-Gasse 3 mit dem Namen Apfel und Co. KG, Maschinen- und Werkzeughandlung. Ihre Mutter Sara Kapp leistete eine Einlage, Eduard wurde als Prokurist beschäftigt. Zeitgleich verlegte Sara ihren Wohnsitz nach Regensburg. Sie wohnte im Haus ihrer Tochter am Haidplatz 7. Doch die antisemitischen Parolen und Boykottaufrufe gab es auch in Regensburg: Aufgrund der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben wurde das Unternehmen Apfel und Co. KG zum 1. November 1938 arisiert, also unter Wert verkauft.

Familie Apfel plante daraufhin, Deutschland zu verlassen, es war jedoch ein schwieriges Unterfangen, ein Visum zu erhalten. Im Jahr 1939 gelang es ihnen, die 10-jährige Lore und ihren zwei Jahre jüngeren Bruder Alfred mit einem Kindertransport nach England zu schicken. Erst im Mai 1941 konnten auch Blanka und Eduard Regensburg verlassen und in die USA emigrieren.

Sara Kapp war nun alleine in Regensburg. In einem Brief bat sie ihre Tochter, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um ihre Einreise in die USA zu ermöglichen. Doch die Grenzen blieben ihr verschlossen. Wenige Monate später wurde Sara Kapp in das jüdische Altenheim in der Weißenburgstraße 31 eingewiesen. Am 23. September 1942 wurde sie mit weiteren 115 Personen von dort in das Ghetto Theresienstadt transportiert. Auch ihr war ein Aufenthalt in einem Altersheim mit freier medizinischer Versorgung versprochen worden. Doch die Realität war eine andere: Die Lebensbedingungen in Theresienstadt waren unmenschlich, es fehlte am Notwendigsten, die hygenischen Umstände waren miserabel.

Zwei Jahre später, im Jahr 1944, wurde Sara Kapp in das KZ- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Sie war 69 Jahre alt, was einem Todesurteil gleichkam. Vermutlich starb Sara Kapp noch am Tag ihrer Ankunft in einer der Gaskammern von Auschwitz.

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