Verfolgte und Ermordete in
Regensburg
In übergreifenden Themenbeiträgen entstehen knappe Überblicke über die Gruppen jener Menschen, die Opfer der Verfolgung wurden. Sie waren immer Teil des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Lebens in Regensburg – daran soll erinnert werden.
Jüdisches Leben in Regensburg
Jüdisches Leben hat eine lange, wechselvolle Geschichte in Regensburg. Die 1227 erbaute Synagoge auf dem heutigen Neupfarrplatz wurde 1519 zerstört. 1912 wurde eine neue Synagoge am Brixener Hof eröffnet, sie löste den seit 1841 in der Unteren Bachgasse genutzten Betsaal ab.
232 jüdische Regensburger wurden 1942 deportiert. Der erste Transport von 109 Regensburgern fand am 2. April 1942 nach Piaski statt. Am 15. Juli 1942 wurden sechs weitere, vermutlich nach Auschwitz deportiert. 117 hochbetagte Männer und Frauen wurden am 23. September 1942 nach Theresienstadt geschickt.
Krankenmorde
642 Regensburger mit Behinderungen oder psychischen Problemen wurden wegen Ihrer Erkrankungen zu Ihrer Ermordung nach Hartheim geschafft. Daran erinnert eine Stolperschwelle sowie einigen Stolpersteine. Die Ermordungen wurden in der Tiergartenstrasse 4 in Berlin geplant und mit dem Kürzel T4 verschleiert.
Widerstand in Regensburg
In der Neupfarrplatzgruppe tauschten sich Mitglieder in regelmäßigen Zusammenkünften die von „Feindsendern“ abgehörten Nachrichten in kritischer Haltung gegenüber dem System aus. Von den 49 der von der Gestapo namentlich mit dieser Gruppe in Zusammenhang benannten Personen (44 Männer und 5 Frauen) verloren 9 Personen ihr Leben, darunter Georg Zaubzer. Zwei der Beschuldigten, der Bahnpost-Facharbeiter Josef Bollwein und der Messerschmitt-Arbeiter Johann Kellner, wurden vom Volksgerichtshof in Berlin „wegen Vorbereitung zum Hochverrat“ und „Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt und durch die Guillotine hingerichtet. Der Schneider Johann Igl kommentierte einen Luftangriff zu einem Kameraden von der Luftschutzpolizei sinngemäß, ob sich den keiner findet, der Hitler beseitigt. Die Kritik wurde denunziert. Igl wurde noch im April 1945 hingerichtet.
Am 23.4.1945 wollte der ehemalige Domprediger Dr. Maier am heutigen Dachauplatz zu einer große Menschenmenge sprechen. Das wurde gewaltsam der NS-Kreisleitung verhindert. Ein Dutzend Menschen gefangen genommen und abtransportiert, darunter auch Michael Lottner. Er wurde im Gebäude der Kreisleitung im Minoritenweg gegen 18 Uhr von Hans Hoffmann und Rupert Müller erschossen.
Zeugen Jehovas
Von den 21 Zeugen Jehovas aus Regensburg wurden drei ermordert: Wolfgang Waller (Stolperstein Minoritenweg 9) sowie Albin Relewicz und Hermann Deffner. Der Musiker des Stadtorchester Heinrich Lutterbach wurde 1936 verhaftet, überlebte das Gefängnis Landsberg am Lech und die
Konzentrationslager Dachau und Mauthausen, aus dem er befreit wurde.
Homosexuelle
Wegen ihre sexuellen Orientierung kamen Homosexuelle in Konzentrationslager und wurden ermordet. Das geschah auch mit Regensburgern. Die Stolpersteingruppe Regensburg recherchiert zu diesem Thema Einzelschicksale.
Sinti und Roma
Sinti und Roma wurden in großer Zahl in Konzentrationslager inhaftiert und viele wurden ermordet. Die Kinder Rosa Höllenreiner (geboren 1926), Philippine Höllenreiner (1928) und Katharine Höllenreiner (1929) aus Regensburg lebten im Waisenhaus. Sie wurden 1943 Auschwitz deportiert. Nur Rosa Höllenreiner überlebt das KZ.