Margareta Bächerlein
Margareta Bächerlein wurde am 21. Oktober 1876 in Rocksdorf (Landkreis Neumarkt) geboren. Seit 1926 lebte sie (mit Unterbrechungen) in der damaligen „Heil- und Pflegeanstalt“ in Regensburg. Am 6. Juni 1941 wurde sie von dort aus in die Tötungsanstalt in Hartheim transportiert und ermordet.
Der Vater von Margareta Bächerlein hieß Paulus Hofer und war Weber von Beruf, die Mutter war eine geborene Engelhard; irgendwann (wann ist uns nicht bekannt) heiratete sie dann Martin Bächerlein aus Sulzkirchen, wo sie fortan auch lebte. Ihr Mann muss früh verstorben sein, denn bei ihrer ersten Aufnahme in der Heilanstalt 1926 im Alter von 49 Jahren war sie bereits Witwe.
Margareta hatte fünf Kinder (zwei Buben namens Paul und Georg und drei Mädchen namens Emilie, Anna und Elisabeth). Ihr Sohn Paul übernahm 1935 das Anwesen in Sulzkirchen, das heute noch existiert. Nach seinem Tod ging der Hof an seinen Sohn Friedrich Bächerlein über. Dieser hatte keine Kinder. Das Grab sei inzwischen aufgelöst, teilte uns Pfarrer Proksch mit. Das Anwesen sei nicht bewohnt und das Haus schon recht verfallen.
Da es vor Ort und auch sonst, soweit bekannt, keine Angehörigen mehr gibt, fiel die Entscheidung, den Stolperstein in Andenken an Margareta Bächerlein nicht in ihrem Wohnort zu verlegen, sondern hier in Regensburg vor dem Bezirkskrankenhaus, wo sie die letzten 15 Jahre ihres Lebens verbrachte, bis sie 1941 von den Nationalsozialisten im Rahmen der T4-Aktion ermordet wurde.
Aus ihrer Krankenakte der damaligen „Heil- und Pflegeanstalt“ Karthaus-Prüll wissen wir, dass ihre erste Aufnahme am 4. Juli 1926 erfolgte.
Nach zwei Monaten Behandlung wurde sie als geheilt entlassen, jedoch bereits vier Monate später wieder aufgenommen in einem unruhigen Gesundheitszustand. Insgesamt wurde sie noch zweimal entlassen und wieder aufgenommen, zuletzt musste sie 1927 nach nur vier Tagen zu Hause bereits wieder in die Heilanstalt und wurde nie wieder entlassen. Bereits in diesem Jahr beantragte sie die Invalidenrente.
Margareta Bächerlein war von einem besonders schweren und chronischen Krankheitsverlauf betroffen. Immer wieder kam es zu starken Stimmungsschwankungen. Zur damaligen Zeit standen im Vergleich zu Heute kaum effektive Behandlungsmethoden zur Verfügung.
In den guten Zeiten beschäftigte Margareta sich viel mit Strickarbeiten, sie wird mehrfach als fleißig beschrieben. Immer wenn es ihr besser ging, schrieb sie Briefe nach Hause, sie war über das Wohlergehen ihrer Kinder sehr besorgt. Auch Besuche der Kinder sind dokumentiert sowie zahlreiche Briefe, in denen sich die Kinder nach dem Befinden der Mutter erkundigen. In der Gemeinde, aber auch in sog. „Haus- und Familienangelegenheiten“ gab es jedoch, vermutlich auch aufgrund ihrer Krankheit immer wieder Probleme, die sie sehr beschäftigten und traurig machten. Dadurch waren Familienurlaube kaum möglich, obwohl sie diesen Wunsch oft äußerte.
Bereits 1935 wurde ihr Anwesen an ihren Sohn Paul übergeben, da nicht die Aussicht bestand, dass sie jemals wieder entlassen werden könnte. Ihre Krankenakte beschreibt ihren schweren Krankheitsverlauf und zeugt von einer langen Leidensgeschichte. Des weiteren wurde ihre fehlende Arbeitsfähigkeit mehrfach dokumentiert.
Am 6. Juni 1941 wurde sie „auf Anordnung des Reichsverteidigungskommissars psychisch unverändert und als ungeheilt in eine Reichsanstalt überführt.“ An dem Tag wurde sie zur Tötungsanstalt in Hartheim transportiert und am gleichen Tag noch ermordet. Sie wurde 64 Jahre alt.
Die Selbsthilfegruppe von Menschen mit bipolarer Erkrankung in Regensburg hat die Patenschaft und Recherche für den Stolperstein von Margareta Bächerlein übernommen. Sie möchte damit ein Zeichen gegen die Stigmatisierung von Menschen mit einer psychischen Erkrankung setzen und Frau Bächerlein zugleich ein ehrendes Andenken bewahren.